
Cadiz ist eine der schönsten Städte, die wir auf unseren Spanienreisen besucht haben. Sie hat rund 110.000 Einwohner und liegt auf einer Halbinsel zwischen Atlantik und der Bucht von Cadiz (Bahia de Cadiz). Zwei Brücken verbinden sie mit dem Festland im Osten und der Stadt Puerto Real, eine davon sieht aus wie die kleine Schwester der Köhlbrandbrücke in Hamburg. Außerdem gibt es einen Damm in Richtung Süden nach San Fernando.

Die Altstadt bietet viel Atmosphäre und auch beim zweiten und dritten Besuch immer noch Überraschungen. Wir haben allerdings festgestellt, dass die Altstadt zwei Gesichter hat, je nachdem, ob Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen oder nicht. Ohne Kreuzfahrtschiffe ist Cadiz deutlich leerer und weniger hektisch. Die Straßen und Plätze bieten mehr Raum

und im Mercado Central findet man hauptsächlich Gaditanos, wie die Einwohner von Cadiz genannt werden. Da standen wir schon mal eine dreiviertel Stunde beim Metzger an, bis die Bestellungen der Kunden vor uns abgearbeitet waren, denn jede Wurst und jeder Schinken wurde hier vor Ort geschnitten, nichts war abgepackt oder lag schon in Scheiben vorbereitet in der Auslage.

Etwas versteckt im Schatten der Kathedrale gibt es noch ein Kleinod zu entdecken, die alte Kathedrale (Catedral Vieja), die heute unter dem Namen Parroquia de Santa Cruz bekannt ist. Sie steht an der Stelle, wo sich im 13. Jahrhundert die Hauptmoschee von Cadiz befand und wurde im 17. Jahrhundert erbaut.
Überhaupt hat man den Eindruck, dass die Altstadt von Cadiz überdurchschnittlich viele Kirchen beherbergt, die sich oft in die Straßenfassaden einfügen, weil sie unmittelbar an die Nachbarhäuser anschließen.

Ein gutes Beispiel dafür bietet die Dachterrasse des Hotels Las Cortes in der Calle San Francisco. Man kann sich unten im Hotelbistro einen Kaffee nehmen und mit dem Aufzug auf die Dachterrasse fahren. Hier sitzt man entspannt und blickt über die Dächer von Cadiz. Unmittelbar schaut man auf die weiße Kuppel und die Glockentürme der Kirche Nuestra Senora del Rosario. Kurz dahinter wird es weltlicher, dort wird gerade die Wäsche zum Trocknen aufgehangen.
Die Sehenswürdigkeiten der Altstadt sollte man natürlich mitnehmen, auf keinen Fall verpassen darf man die Eisdiele Narigoni auf dem Platz vor der Kathedrale (eine Kugel Kaffeeeis) und die Strandbar Caleta am Strand Caleta, in der wir die besten Tortillitas de Camarones bekommen haben. Dies ist eine Spezialität, die man nur in der Umgebung von Cadiz bekommt und die wie knusprige Reibekuchen mit Krabben schmecken.

In der Nähe der Playa Caleta vor der Universität befinden sich auch die beeindruckendsten Bäume von Cadiz, zwei Gummibäume, die teilweise von Stahlgerüsten gestützt werden.

Ebenfalls an der Nordspitze der Halbinsel befindet sich ein kleiner botanischer Garten, der Parque Genoves mit exotischen Bäumen und Sträuchern sowie einem kleinen künstlichen Wasserfall. Der Beschilderung nach sind in dem Park 21 Vogelarten ansässig, darunter Felsenschwalben, der Wiedehopf und natürlich auch die obligatorischen grünen Mönchssittiche, die als flink fliegende Quasselstrippen für Unterhaltung sorgen.
Der Rundgang um die Spitze führt zum Hafen von Cadiz, der heute an vielen Tagen von Kreuzfahrtschiffen dominiert wird. Im 15. Jahrhundert, nach der Rückeroberung Spaniens von den Mauren, spielte der Hafen eine wichtige Rolle im Handel mit dem gerade entdeckten Amerika. Aus dem nahe gelegenen Puerto de Santa Maria an der Bucht von Cadiz lief auch die zweite Expedition von Kolumbus nach Amerika aus. Heute befindet sich nördlich von Puerto de Santa Maria in Rota einer der größten Marinestützpunkte in Europa, auf dem neben der spanischen auch ein Teil der US-Flotte stationiert ist. An manchen Tagen hört man in und um Cadiz deutlich die Geräusche der Schießübungen der Marine.
Wir besuchten Cadiz von Conil de la Frontera aus, wo wir auf dem Campingplatz La Rosaleda standen. Von Conil aus verkehren 9x täglich Busse nach Cadiz.
